RED-S & Body Image: Warum Period Recovery mehr braucht als „einfach mehr essen“ [+ Antonia Keck]

Trigger Warnung: Diese Podcast Folge thematisiert die Themen Body Image, Essverhalten und Sportsucht. Falls du dich damit unwohl fühlst, höre diese Folge nur mit einer Vertrauensperson an. Psychotherapeutische Anlaufstellen findest du hier:

Meine Interviewpartnerin für diese Folge ist Antonia Keck (Psychologin M.Sc.). Mit ihren Kundinnen arbeitet sie vor allem an den Themen Essverhalten und Body Image. Mehr zu Antonia findest du hier

Zum Gespräch mit Antonia:

Antonia, welche Erfahrungen haben dafür gesorgt, sodass du heute als Psychologin & Coach im Bereich Essverhalten und Body Image arbeitest?

Tatsächlich hatte ich selbst vor über zehn Jahren mit diesen Themen zu tun. Mein Einstieg in das Essverhaltens-Thema war zunächst ein eher restriktives Essverhalten durch den Wunsch nach Gewichtsabnahme, mehr Sport und einem „gesünderen“ Lebensstil. Der Zuspruch von außen hat recht schnell dazu geführt, dass ich “mehr” wollte, sodass aus der anfänglichen Motivation mit der Zeit starre Regeln und zwanghafte Routinen entstanden sind. Erst im Verlaufe habe ich mich da  sukzessive rausgearbeitet.

Später habe ich mein Psychologie Studium abgeschlossen und erkannt, dass ganz viele Menschen mit ihrem Essverhalten strugglen – ähnlich wie ich damals. Dadurch hat sich meine berufliche Positionierung immer mehr herauskristallisiert. Meine Arbeit heute stützt sich in erster Linie auf meine fundierte Ausbildung, allerdings sind meine persönlichen Erfahrungen oft auch sehr hilfreich im Coaching mit meinen Kundinnen. 

Spielt Social Media eine Rolle bei ungesundem Essverhalten?

Ja, Social Media kann eine Komponente von vielen anderen Komponenten sein, durch die Menschen in ein ungesundes Essverhalten schlittern [1]. Gerade in der Fitness- Bubble werden Disziplin und ein sportlicher Körper sehr sehr positiv bewertet.

Das ist natürlich schwierig, da man sich in einen Teufelskreislauf begibt, wenn restriktives Verhalten auch noch gesellschaftlich belohnt wird: Man gilt als zielstrebige und erfolgreiche High-Performerin, wenn man in seinen Routinen bleibt. Diesen gesellschaftlichen „Status“ möchte man natürlich inherent aufrecht erhalten.

Wann werden "gesunde Routinen" pathologisch? Wo kann man die Grenze ziehen?

Hmm, die Grenze zwischen einem gesunden Lifestyle und einem „problematischen Verhalten“ ist oft schwer zu erkennen. Sich bewusst zu ernähren, Sport zu machen oder auf den eigenen Körper zu achten, ist nicht automatisch ungesund. Entscheidend ist vielmehr, welche Motivation dahintersteckt und ob noch Flexibilität vorhanden ist; oder ob Essen und Bewegung beginnen, das gesamte Leben zu kontrollieren.

Das Problem ist eher, dass wir dazu neigen, einen trainierten, leanen Körper automatisch mit Disziplin, Erfolg, Attraktivität, Ansehen und Zugehörigkeit zu verknüpfen. Dadurch entsteht häufig die Angst, den eigenen „Wert“ zu verlieren, wenn man die Kontrolle ein Stück weit abgibt und sich dadurch ggf. körperlich verändert. Genau deshalb fällt es vielen Betroffenen auch schwer, belastende Muster loszulassen, selbst dann, wenn sie bereits gesundheitliche Folgen wie Periodenverlust, Brain Fog, Erschöpfung oder mentale Belastungen erleben [2].

Am Ende bleibt eben eine zentrale Frage: Wie viel Raum soll der eigene Körper und das Thema Kontrolle wirklich im Leben einnehmen und worauf möchte man den eigenen Selbstwert langfristig aufbauen?

Das heißt, du siehst das Problem im Selbstwert und weniger in den Verhaltensweisen an sich?

Definitiv – aber nicht nur. Es können zwei Personen genau dieselben Verhaltensweisen an den Tag legen, aber eine ganz andere Motivation hinter diesen Verhaltensweisen haben. 

Problematisch wird es vor allem dann, wenn der gesamte Selbstwert fast ausschließlich vom Körper oder von Leistung abhängt. Denn stell dir vor: sobald der Sport wegfällt oder sich der Körper verändert (bspw. durch einen Unfall), gerät das gesamte Selbstbild ins Wanken.

Genau deshalb reicht es langfristig meist nicht aus, nur die Ernährung oder das Training zu verändern. Das mag für eine Weile gut gehen, aber nachhaltige Veränderung entsteht meiner Erfahrung nach erst dann, wenn auch das eigene Körperbild und die dahinterliegenden Überzeugungen hinterfragt werden.

Bei RED-S und Periodenverlust spielt das Body Image also auch eine Rolle?

Unbedingt! Viele RED-S Betroffene sind total im Leistungsdenken gefangen (weil sie wollen ja sportlich und auch “optisch” was erreichen).

An sich ist das Leistungsdenken nicht grundsätzlich etwas Negatives- es kann uns ja dabei helfen, persönliche Ziele zu erreichen. Kritisch wird es allerdings, wenn Leistung zur einzigen Quelle des Selbstwertes wird oder – wie oft im Kontext Essen und Bewegung – von Angst, Schuldgefühlen und Zwang getrieben wird

Deshalb würde ich sagen, dass sich gerade im Kontext von RED-S und Periodenverlust zeigt, wie eng körperliche und psychische Faktoren zusammenhängen [3] [4].

Viele Betroffene versuchen, ihren Körper (bewusst oder unbewusst) immer weiter zu kontrollieren. Und gleichzeitig leidet darunter oft die Lebensqualität: soziale Kontakte, mentale Freiheit und das Vertrauen in den eigenen Körper gehen verloren.

Genau aus diesem Grund haben wir uns ja zusammengetan: Unser RED-S Coaching verbindet Ernährungsberatung mit psychologischer Begleitung, weil nachhaltige Veränderung beides braucht. 

Bei uns bekommst du einen klaren Leitfaden, Accountability und Profis, die sich mit dem Thema Periodenverlust im Sport auskennen.

[1] Bonfanti, R. C., Melchiori, F., Teti, A., Albano, G., Raffard, S., Rodgers, R. & Lo Coco, G. (2024). The association between social comparison in social media, body image concerns and eating disorder symptoms: A systematic review and meta-analysis. Body Image, 52, 101841. https://doi.org/10.1016/j.bodyim.2024.101841

[2] Strahler, J., Wachten, H. & Mueller-Alcazar, A. (2021). Obsessive healthy eating and orthorexic eating tendencies in sport and exercise contexts: A systematic review and meta-analysis. Journal Of Behavioral Addictions, 10(3), 456–470. https://doi.org/10.1556/2006.2021.00004

[3] Fatt, S. J., George, E., Hay, P., Jeacocke, N., Gotkiewicz, E. & Mitchison, D. (2024). An Umbrella Review of Body Image Concerns, Disordered Eating, and Eating Disorders in Elite Athletes. Journal Of Clinical Medicine, 13(14), 4171. https://doi.org/10.3390/jcm13144171

[4] Ruscheck, T., Kopp, C., Nieß, A. M. & Haigis, D. (2025). The Athlete’s Body Image in the Context of Relative Energy Deficiency in Sport—A Scoping Review. Journal Of Functional Morphology And Kinesiology, 10(4), 413. https://doi.org/10.3390/jfmk10040413

Antonia auf Instagram

https://www.instagram.com/antohnya/

Hi, ich bin Jenny!

Ich bin Dozentin, Expertin für Frauengesundheit [im Sport] und dein Podcast Host. Erfahre mehr über mich.

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