Ungewollt schwanger durch Zyklusapp: Die Gefahren von fancy Gadgets

Disclaimer: Dieser Beitrag  ersetzt keine medizinische Beratung o.ä. sondern dient lediglich der Aufklärung. 

Übersicht

1. Verhütung: aktueller Status Quo

Leider fühlen sich immer noch viele Frauen alleinig verantwortlich für die Verhütung. In den letzten Jahren gab es aber einen Wandel: das Interesse an hormonfreien Methoden hat stark zugenommen.

Statista (2024) [1] zeigt: Das Kondom überholt die Pille. Einer der Gründe dafür könnte das auf Social Media immer präsentere Narrativ sein, dass die Pille „ungesund“ sei (zu einer genaueren Einordnung, lese den Blog Beitrag über die Pille). 

Fakt ist jedoch: Die Pille ist ein Medikament mit Wirkungen und Nebenwirkungen. Sie ist nicht per se „schlecht“! Ob man die Pille nehmen möchte, sollte man individuell entscheiden.

2. Methoden im Überblick

Tatsächlich ist die Verhütungssicherheit nicht abhängig davon, ob mit oder ohne Hormone gearbeitet wird. Im Folgenden eine Übersicht der verschiedenen Methoden. Über die Verhütungssicherheit mit Zyklusapps sprechen wir später. Zuerst ist wichtig zu verstehen, welche Methoden es gibt, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. 

1.1 Mit Hormonen

  • Kombinationspille 
  • Minipille
  • Hormonspirale
  • Verhütungspflaster
  • Verhütungsstächen
  • Dreimonatsspritze

1.2 Hormonfrei

  • Kondome: einfach, aber fehleranfällig in der Anwendung
  • Kupferprodukte: Spirale, Kette oder Ball (sehr wirksam, aber erfordern ärztliche Betreuung)
  • Diaphragma / Portiokappe: erfordern korrekte Anwendung
  • Sterilisation: dauerhafte Lösung
  • NFP-Methoden: Coitus Interruptus (absolut ungeeignet!!) Kalendermethode, symptothermale Methode

Die natürliche Familienplanung (NFP) ist ein Oberbegriff für hormonfreie Verhütung. Nicht alle Methoden sind aber gleich sicher:

Die Kalendermethode beispielsweise berechnet den Eisprung anhand vergangener Zyklen. Das Problem: Der Zeitpunkt des Eisprungs variiert von Frau zu Frau stark. Und: nur 13 % der Frauen haben tatsächlich ihren Eisprung an Zyklustag 14 [2]. Das ist mitunter einer der Gründe, warum diese Methode sehr unsicher und nicht empfehlenswert ist (auch wenn hormonfrei). 

Die Symptothermale Methode hingegen ist wissenschaftlich fundiert und kombiniert die Temperaturmessung (Progesteronmarker) mit Beobachtung von Zervixschleim (Östrogenmarker). Sie ist sehr sicher mit einem Pearl Index von 0,4–1,8 bei typischer Anwendung udn wurde im Dezember 2023 erstmals in den S2K-Leitlinien zur nicht-hormonellen Verhütung aufgenommen.

.

Takeaway:

Wer durch die Bestimmung des fruchtbaren Fensters im Zyklus verhüten möchte, sollte sich mit den Regeln nach Sensiplan auseinandersetzen. Nur dann kann Sicherheit gewährleistet werden. 

1.3 Sicherheit: Pearl Index

Der Pearl-Index gibt an, wie viele von 100 Frauen innerhalb eines Jahres trotz einer bestimmten Verhütungsmethode schwanger werden [3]. Also ganz simpel erklärt: Je niedriger die Zahl, desto sicherer die Methode. Wir müssen unterscheiden zwischen: 

  • Methodensicherheit:
    Das ist die Zahl, die du theoretisch erreichen könntest, wenn wirklich alles perfekt läuft (jeden Tag, immer korrekt angewendet ohne Fehler. Sozusagen die „Traumwelt-Version“)

  • Anwendungssicherheit (typical use):
    Das ist die Realität. Mit allem, was eben so passiert: Messzeiten vergessen, Kondome falsch angewendet, Zyklus falsch interpretiert, Gerät nicht richtig benutzt. Diese Zahl ist meistens deutlich höher- für uns als Anwenderinnen jedoch aussagekräftiger. 

3. Zyklus-Gadgets: Hilfreich oder riskant?

Zyklus-Apps und Gadgets versprechen eine „einfache“ hormonfreie Verhütung. Aber wie sicher sind sie wirklich und wie hoch ist das Risiko, ungewollt schwanger zu werden?!

Eine Sache haben die meisten Zyklusapps gememeinsam: sie machen sich der Bestimmung des Eisprungs zu Nutze.

Ich stelle dir im Folgenden einmal die prominentesten vor und ordne sie knapp in Sachen Verhütungssicherheit ein. Mehr dazu in der Podcast Folge. 

3.1 Verhütungs-Tools im Überblick

➤ Daysy: Einfaches Display zeigt grün, gelb, rot.  Temperaturkurve ohne genaue Werte, Auswertung nach eigenem Algorithmus und ohne Berücksichtigung des Östrogenmarkers

➤ Ovy: Thermometer nach Sensiplan-Regelwerk, Temperaturkurve sichtbar, transparente Auswertung über App möglich.

trackle: Vaginaler Sensor, misst über Nacht Basaltemperatur, Werte werden ans Handy übertragen, gute Kontrolle über den Zyklus (Affiliate-Link)

➤ inne Minilab: misst Progesteron im Speichel. Interessante Idee, aber wissenschaftlich noch nicht validiert.

➤ CO₂-Zykluscomputer: misst Eisprung über Atem. Auch hier fehlen Referenzwerte und Östrogenmarker.

➤ Oura Ring & Garmin: messen über die Hauttemperatur, ungeeignet für präzise Eisprungbestimmung, da externe Faktoren wie Fieber oder Hitze die Messung verfälschen.

3.2 Die große Gefahr

Viele dieser Tools vermitteln den Eindruck, man müsse nur noch messen, der Rest erledigt sich automatisch. Das ist riskant. Die Verhütungssicherheit hängt stark von deinem Wissen über Zyklus, Östrogenmarker und Progesteron ab. Gadgets zur Verhütung können unterstützend genutzt werden, ersetzen aber nicht die aktive Auseinandersetzung mit dem Zyklus! Verantwortung abgeben kann eben Konsequenzen bringen.

4. Fazit: Verantwortung übernehmen lohnt sich

Ob hormonelle oder hormonfreie Methoden: Es gilt, sich gut zu informieren und Tools bewusst einzusetzen. Keine App oder Gadget ist eine Verhütungsmaschine und dessen sollten wir uns bewusst sein. Wer sicher hormonfrei verhüten möchte, sollte verstehen, wie die symptothermale Methode funktioniert, die Regeln lernen und auch bei der Nutzung eines Gadgets selbst kontrollieren, statt blind auf eine Anzeige zu vertrauen.

Da ich persönlich sehr gute Erfahrungen mit dem Trackle gemacht habe, möchte ich dir meinen Affiliate Code nicht vorenthalten: zum trackle-Shop

[1] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Kondom löst Pille als Verhütungsmittel Nummer eins ab. (2025, November 29).

[2] Bull, J. R. Rowland, S. P., Scherwitzl, E. B., Scherwitzl, R. Danielsson, K. G. & Harper, J. (2019). Real-world menstrual cycle characteristics of more than 600.000 menstrual cycles. Npj Digital Medicine 2(1) 

[3] Pearl-Index. (o. D.). Pro Familia. https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/pearl-index (2025, November 29).

Hi, ich bin Jenny!

Ich bin Dozentin, Expertin für Frauengesundheit [im Sport] und dein Podcast Host. Erfahre mehr über mich.

Den Podcast kannst du übrigens auch auf Apple Podcasts oder Podcast.de anhören. Lass mir gerne eine 5-Sterne Bewertung da, it would mean the world to me!