Fischiger Geruch im Intimbereich: Lass uns über Bakterielle Vaginose sprechen

Disclaimer: Dieser Beitrag  ersetzt keine medizinische Beratung o.ä. sondern dient lediglich der Aufklärung. 

Übersicht

1. Was ist normal?

Geruch im Intimbereich ist etwas völlig Natürliches. Die Vulva und Vagina haben (wie jeder andere Körperbereich auch) einen eigenen Duft. Dieser kann sich im Laufe des Tages nach Sport, Sex, im Verlaufe des Zyklus oder auch durch Schweiß und Feuchtigkeit verändern.

Die Vaginalflora besteht aus verschiedenen Mikroorganismen- vor allem Milchsäurebakterien, die ein leicht saures Milieu herstellen. Dieses Milieu sorgt dafür, dass der Intimbereich von Natur aus eher unauffällig sauer oder erdig riecht.

1.1 Die Rolle der Milchsäurebakterien

Die Milchsäurebakterien (Lactobacillen) produzieren Milchsäure, welche den pH-Wert in der Vagina leicht sauer hält (zwischen 3,5-4,5). Dieses saure Milieu schützt vor Krankheitserregern und lässt sich als Eubiose bezeichnen [1].

1.2 Ausfluss vs. Zervixschleim

Zervixschleim und (krankhafter) Ausfluss sind nicht dasselbe! 

Zervixschleim verändert sich im Verlauf des Zyklus deutlich und kann dabei in ganz unterschiedliche Konsistenzen (und Empfinden) auftreten:

  • cremig
  • weißlich
  • zäh
  • klebrig
  • durchsichtig
  • spinnbar

Diese Veränderungen sind völlig normal und östrogenabhängig. Krankhafter Ausfluss unterscheidet sich vom normalen, zyklusbedingten Zervixschleim durch folgende Kriterien: 

  • Deutlich veränderter, unangenehmer Geruch 
  • Ungewöhnliche Farben wie grau, gelb, grün oder sehr dunkles braun
  • Schaumige, klumpige oder extrem dünnflüssige Konsistenz, die nicht zum Zyklus passt
  • Begleitsymptome wie Juckreiz, Brennen, Schmerzen und Rötungen 
  • Plötzlich stark erhöhte Menge, die nicht durch Eisprung oder Lutealphase erklärbar ist

2. Was ist nicht normal?

Nicht normal ist ein deutlich fischiger und stechender Geruch, kombiniert mit dünnflüssigem, homogenem, grau-weißen Ausfluss.

Dazu kommt es, wenn sich bestimmte Bakterienarten im Vaginal-Milieu stark vermehren, vor allem Gardnerella vaginalis und Prevotella Bakterien. Eigentlich möchten wir das Miktobiota ja reich an Lactobazillen halten. Wenn diese aber abnehmen, steigt der pH-Wert der Vaginalflora ins Basische und das System „kippt“. 

2.1 Woher kommt der Geruch?

Die Prevotella Bakterien bauen Proteine im Vaginalsekret ab und produzieren flüchtige Amine wie Trimethylamin, Putrescin oder Cadaverin. Genau diese Amine sind verantwortlich für den typischen fischigen Geruch, der bei Bakterieller Vaginose entstehen kann. Das Problem: bei erhöhtem pH-Wert bilden sie sich noch stärker.

3. Mögliche Ursachen für eine Bakterielle Vaginose

Bakterielle Vaginose ist keine STI (sexuell übertragbare Krankheit) oder Infektion. Eine Bakterielle Vaginose entsteht, wenn das optimale Gleichgewicht der Vaginalflora kippt und die Milchsäurebakterien zurückgehen. Dadurch steigt der pH-Wert, was ideale Bedingungen für andere Bakterien schafft (die wir eigentlich nicht in dieser Menge haben wollen).

Risikofaktoren können sein:

  • Hormonelle Schwankungen, Pille & Wechseljahre (hier mehr zu Hormonen und Intimgesundheit)
  • Sperma, das durch seinen basischen pH-Wert das saure Milieu moduliert [2] 
  • Übermäßige oder falsche Intimhygiene, vor allem parfümierte Produkte oder Seifen [3]
  • Stress und Lifestyle- Faktoren [4]
  • Enge, synthetische Kleidung, die Wärme und Feuchtigkeit staut (keine Evidenz aber viele Erfahrungsberichte)
  • Rauchen, das nachweislich die Vaginalflora verändert [4]

4. Fazit: Es kommt häufiger vor, als man denkt

Eine Bakterielle Vaginose ist eine Dysbiose im vaginalen Milieu, die viele Frauen im Laufe ihres Lebens einmal haben. Die Prävalenz liegt für Frauen in Europa und Zentral-Asien laut Schätzungen bei etwa 23% [5]. 

Wichtig: BV ist keine Frage von Hygiene, kein persönliches Versagen und schon gar kein Grund für Scham. Im Gegenteil: Je offener wir darüber sprechen, desto sichtbarer wird, wie häufig dieses Thema tatsächlich vorkommt!

[1] Chee, W. J. Y., Chew, S. Y. & Than, L. T. L. (2020). Vaginal microbiota and the potential of Lactobacillus derivatives in maintaining vaginal health. Microbial Cell Factories, 19(1). https://doi.org/10.1186/s12934-020-01464-4

[2] Harraway, C., Berger, N. G. & Dubin, N. H. (2000). Semen pH in patients with normal versus abnormal sperm characteristics. American Journal Of Obstetrics And Gynecology, 182(5), 1045–1047. https://doi.org/10.1067/mob.2000.106051

[3] Martino, J. L. (2002). Vaginal Douching: Evidence for Risks or Benefits to Women’s Health. Epidemiologic Reviews, 24(2), 109–124. https://doi.org/10.1093/epirev/mxf004

[4] Morsli, M., Gimenez, E., Magnan, C., Salipante, F., Huberlant, S., Letouzey, V. & Lavigne, J. (2024). The association between lifestyle factors and the composition of the vaginal microbiota: a review. European Journal Of Clinical Microbiology & Infectious Diseases, 43(10), 1869–1881. https://doi.org/10.1007/s10096-024-04915-7

[5] Peebles, K., Velloza, J., Balkus, J. E., McClelland, R. S. & Barnabas, R. V. (2019). High Global Burden and Costs of Bacterial Vaginosis: A Systematic Review and Meta-Analysis. Sexually Transmitted Diseases, 46(5), 304–311. https://doi.org/10.1097/olq.0000000000000972

Hi, ich bin Jenny!

Ich bin Dozentin, Expertin für Frauengesundheit [im Sport] und dein Podcast Host. Erfahre mehr über mich.

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