‚Am liebsten hätte ich gar keinen Zyklus‘: Endometriose-Management in der Realität

Disclaimer: Dieser Beitrag  ersetzt keine medizinische Beratung o.ä. sondern dient lediglich der Aufklärung. 

Übersicht

1. Endometriose ist nicht „nur Periodenschmerz“

Endometriose wird leider oft auf „starke Regelschmerzen“ reduziert. Das ist super problematisch, weil es die Erkrankung verharmlost und dazu beiträgt, dass Betroffene jahrelang nicht ernst genommen werden (Stichwort medical gaslighting). Dabei geht man davon aus, dass ca. 1 von 10 Frauen betroffen ist und ihre Diagnose erst Schnitt 5-12 Jahre nach erstmaligem auftreten der Symptome bekommt [1].

Endometriose ist eine progressive, chronische und entzündliche Erkrankung, bei der sich endometriumähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter ansiedelt. Diese Herde reagieren auf Östrogen, können Entzündungen verursachen, umliegendes Gewebe reizen und extreme Schmerzen auslösen.

In den Endometrioseherden befinden sich mehr Schmerzrezeptoren und Mastzellen, die Prostanglandine ausschütten und nicht nur während der Periode, sondern auch zyklusunabhängig östrogengetrieben Schmerzen verursachen.

1.1 Symptome: die 4 D's

In der Medizin werden typische Leitsymptome der Endometriose mit den „4 D’s“ zusammengefasst:

  • Dysmenorrhoe: sehr starke/krampfartige Schmerzen während der Periode
  • Dyspareunie: Schmerzen beim penetrativen Geschlechtsverkehr
  • Dyschezie: Schmerzen beim Stuhlgang, teils zyklusabhängig
  • Dysurie: Schmerzen beim Wasserlassen, v. a. bei Blasenbeteiligung

Dazu kommen meist noch weitere Beschwerden: chronische Unterbauchschmerzen, Rückenschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung rund um die Periode, Erschöpfung und Fatigue. Je nach Lage der Herde können auch Symptome auftreten, die man nicht sofort mit Endometriose verbindet; zum Beispiel Schmerzen im Schulterbereich bei Zwerchfellbeteiligung.

Wichtig!!!  Die Stärke der Schmerzen sagt nichts darüber aus, wie „schlimm“ die Endometriose objektiv gesehen ist. Kleine Herde können extreme Beschwerden verursachen und vice versa [2] [3].

1.2 Entstehungstheorien

Warum Endometriose entsteht, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Es gibt mehrere Theorien aber keine davon erklärt die Ätiologie vollständig. Wahrscheinlcih ist es ein Zusammenspiel aus hormonellen Einflüssen, Entzündungsprozessen, Immunreaktionen und genetischer Veranlagung. Zu den bekanntesten Entstehungstheorien [4] gehören:

  • Retrograde Menstruation: Menstruationsblut fließt über die Eileiter in den Bauchraum, Zellen können sich dort ansiedeln.
  • Metaplasie-Theorie: Zellen im Bauchraum wandeln sich in endometriumähnliche Zellen um.
  • Immunologische Faktoren: Das Immunsystem erkennt und beseitigt die Zellen nicht ausreichend.
  • Genetische Einflüsse: Endometriose tritt tatsächlich familiär gehäuft auf.

2. Diagnose der Endometriose

Die Diagnose ist oft schwierig und dauert im Schnitt 7-10 Jahre. Durch eine vaginale Sonographie kann man häufig erste Hinweise auf Endometriose erkennen. Manchmal ist das aber nicht der Fall. Bildgebende Verfahren wie ein transvaginaler Ultraschall oder ein MRT können Hinweise liefern, vor allem bei tief infiltrierender Endometriose (TIE). Daher gehört immer eine umfassende Anamnese und ein ausführliches Gespräch über Beschwerden, Zyklusverlauf und Schmerzintensität zum Diagnoseprozess [5]

Übrigens: Seit Ende 2025 haben sich die Leitlinien zur Diagnostik geändert und die Bauchspiegelung (Laparoskopie) ist nicht mehr zwingend notwendig.

Quelle: S2k_Endometriose_5. 1 (Stand Februar 2026)

3. Therapie der Endometriose

Ziel der Behandlung ist nicht „Heilung“ (denn die gibt es aktuell nicht) sondern Symptomkontrolle, Eindämmung des Fortschreitens und Verbesserung der Lebensqualität. Welche Therapie sinnvoll ist, hängt von Beschwerden, Ausprägung, Kinderwunsch und individueller Situation ab. In der Praxis funktioniert Endometriose-Management am besten multimodal, also durch die Kombination verschiedener Ansätze.

3.1 Medikamentöse Therapie

  • Hormonelle Therapie (bspw. Gestagenpräparate, kombinierte Pillen, ggf. GnRH-Analoga): Ziel ist, hormonelle Schwankungen zu dämpfen und das Wachstum der Herde zu bremsen
  • Schmerztherapie (bspw. NSAR): zur akuten Linderung, ersetzt aber keine ursächliche Behandlung

Dabei wird stets der Östrogenspiegel im Auge behalten, um das Risiko von Knochenabbau nieder zu halten [5]. Die Pille ist für viele Betroffene ein wirksames Management-Tool, auch wenn das online von selbsternannten Coaches oft anders dargestellt wird. Die Pille ist ein Medikament mit klarer Indikation und kann dafür sorgen, dass weiteres Wachstum der Herde gestoppt wird, da der Eisprung unterdrückt wird und hormonelle Schwankungen ausgeglichen werden. 

Quelle: S2k_Endometriose_5. 1 (Stand Februar 2026). Auszug aus den Leitlinien [5]

3.2 Operative Therapie

Eine Entfernung von Herden ist bei starken Beschwerden oder Organbeteiligung möglich. Dabei sollen Organe geschütz werden und Verwachsungen verhindert werden [5]. Aber Achtung: 30-50% der Frauen erfahren im späteren Lebensverlauf trotzdem wieder Wachstum von Endometriose-Herden. Die Risiken einer OP sollten daher abgewägt werden.

3.2 Ergänzende Maßnahmen

Ergänzend zur medikamentösen oder operativen Therapie können weitere Ansätze helfen, Symptome zu lindern und den Alltag erträglicher zu machen:

  • Ernährungstherapie mit entzündungshemmendem Ansatz, individuell angepasst an Verdauung [6]
  • urogynäkologische Physiotherapie / Beckenbodentherapie bei chronischer Anspannung und Schmerzen [7]
  • Psychologische Unterstützung für den Umgang mit chronischen Schmerzen, Stress und Erschöpfung [8]
  • Bewegung, Entspannung & Yoga [9] [10]
  • Schmerzmodulation durch Wärme,  (viele Erfahrungsberichte von Betroffenen)

Diese Maßnahmen ersetzen keine medizinische Therapie, können sie aber sinnvoll ergänzen. Denn Endometriose betrifft den gesamten Körper, weshalb es mehr als einen einzigen Hebel braucht.

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5. Fazit: Endometriose braucht einen ganzheitlichen Ansatz

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die ernst genommen werden muss. Ein gutes Management heißt nicht, alles „natürlich“ zu machen und auf notwendige Medikamente zu verzichten, sondern die individuell passenden Bausteine zu kombinieren.

Wer betroffen ist, darf sich Unterstützung holen, Grenzen setzen und Entscheidungen treffen, die dem eigenen Alltag guttun und mehr Lebensqualität ermöglichen. 

(Ernährungs-) Coaching für Betroffene

Als Ernährungsfachkraft für Endometriose unterstütze ich dich gerne mit einem ernährungstherapeutischen Ansatz, um deine Schmerzen und Entzündungsprozesse im Körper zu reduzieren. Für ein kostenloses Kennenlerngespräch melde dich per Kontaktformular bei mir. 

[1] As-Sanie, S., Mackenzie, S. C., Morrison, L., Schrepf, A., Zondervan, K. T., Horne, A. W. & Missmer, S. A. (2025). Endometriosis. JAMA, 334(1), 64. https://doi.org/10.1001/jama.2025.2975

[2] Li, Y., Li, W., Yang, X., Yang, Y. & Ye, Q. (2025). Clinical characteristics of endometriosis with and without dysmenorrhea diagnosed by laparoscopy. Frontiers in Medicine, 12, 1635960. https://doi.org/10.3389/fmed.2025.1635960

[3] Vilyonda, L. Q., Budihastuti, U. R., Munawaroh, S. & Pangestu, M. (2024). The Comparison of Chronic Pelvic Pain, Dysmenorrhea, Dyspareunia, Dysuria, and Dyschezia Intensity in Patients with Endometriosis Stage. Eastern Journal Of Medicine, 29(2), 141–145. https://doi.org/10.5505/ejm.2024.33340

[4] Lamceva, J., Uljanovs, R. & Strumfa, I. (2023). The Main Theories on the Pathogenesis of Endometriosis. International Journal Of Molecular Sciences, 24(5), 4254. https://doi.org/10.3390/ijms24054254

[5] AWMF. Langfassung der Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Endometriose“ [Internet]. 2020 [aufgerufen Februar 2026]. http://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-045

[6] Meneghetti, J. K., Pedrotti, M. T., Coimbra, I. M. & Da Cunha-Filho, J. S. L. (2024). Effect of Dietary Interventions on Endometriosis: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Reproductive Sciences, 31(12), 3613–3623. https://doi.org/10.1007/s43032-024-01701-w

[7] Wójcik, M., Szczepaniak, R. & Placek, K. (2022). Physiotherapy management in endometriosis. International Journal Of Environmental Research And Public Health, 19(23), 16148. https://doi.org/10.3390/ijerph192316148

[8] Del Pino-Sedeño, T., Cabrera-Maroto, M., Abrante-Luis, A., González-Hernández, Y. & Herrera, M. C. O. (2024). Effectiveness of psychological interventions in endometriosis: a systematic review with meta-analysis. Frontiers in Psychology, 15, 1457842. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2024.1457842

[9] The Effect of Practicing „Endometriosis Yoga“ on Stress and Quality of Life for Women with Endometriosis: AB Design Pilot Study. (2023, 1. April). PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35839113/

[10] Alpeshkumar, P. M., Jain, M., Archana, K., Singh, S. & Deep, M. (2025). Yoga and endometriosis: Exploring mind-body synergy in reducing stress and enhancing life quality: A comparative interventional study. International Journal Of Clinical Obstetrics And Gynaecology, 9(6), 1563–1571. https://doi.org/10.33545/gynae.2025.v9.i6k.1830

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Ich bin Dozentin, Expertin für Frauengesundheit [im Sport] und dein Podcast Host. Erfahre mehr über mich.

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