Von der HYROX Elite15 zu Krücken im Alltag: wenn Höchstleistung krank macht [+ Alina Bräuer]

Disclaimer: Dieser Beitrag beschreibt Alinas sportliche und gesundheitliche Erfahrungen, steht aber nicht stellvertretend für alle Frauen, die eine RED-S Diagnose haben. Wir geben keine Therapieempfehlungen o.ä..

Noch vor wenigen Monaten stand sie an der Startlinie der Elite 15 bei HYROX. Dann kam der Ermüdungsbruch und sie durfte sich mehrere Wochen nur noch mit Krücken durch den Alltag bewegen. Die Geschichte von Alina Breuer [1] [2] zeigt, dass sportliche Leistung und Podiumsplatzierungen nicht unbedingt viel über die Gesundheit von SportlerInnen ausssagen. Sie war viel zu lange von RED-S betroffen- und das wurde ihr dann irgendwann zum Verhängnis. 

Zum Hintergrund: was ist RED-S?

Alina spricht im Interview über ihre RED-S Diagnose und die Auswirkungen auf ihre sportliche Performance und Gesundheit. Bevor wir in das Interview starten, lass uns aber erst klären: Was ist RED-S eigentlich? 

RED-S ist die Abkürzung für Relative Energy Deficiency Syndrome und beschreibt ein Konglomerat aus Symptomen, welche durch einen chronischen Energiemangel entstehen. Die geringe Energieverfügbarkeit resultiert meist durch eine Kombination der folgenden zwei Faktoren:

  • Übertraining/ übermäßiger Energieverbrauch durch eine hohe Trainingsbelastung
  • Undereating/ mangelhafte Kalorienaufnahme

Erfahre mehr über RED-S in diesem Blog-Artikel

Zum Interview mit Alina:

Alina, wie sah dein Alltag vor der Verletzung aus?

Tja, schon zu Jugendzeiten war Sport ein großer Teil meines Alltags. Ich habe mich in verschiedenen Sportarten ausprobiert und super gerne HIT Kurse belegt. Zwei Einheiten am Tag waren da keine Ausnahme. Später bin ich durch eine Empfehlung zum Hyrox gekommen und ich habe mich dann 2022 spontan für einen Wettkampf angemeldet. Das war etwas ganz besonderes für mich, denn es war mein allererster richtiger Wettkampf- und ich bin auch noch ganz alleine hingegangen.

Als ich die Halle zum ersten Mal betreten habe war ich schockverliebt. Mein erstes Race hat mit so viel Spaß gemacht! Von dem Moment an hat mich der Ehrgeiz total gepackt und mein Ziel war es, mal ein Open Race zu schaffen. Innerhalb weniger Monate konnte ich mich sogar für die Elite 15 qualifizieren (womit ich gar nicht gerechnet hätte). Dafür habe ich aber hart und diszipliniert trainiert. Meist hat der Wecker mich schon um 5 Uhr morgens aus dem Bett geklingelt, damit ich meine Trainingseinheiten vor meinem Vollzeitjob machen kann. Nüchtern, natürlich.

Ich muss auch zugeben, dass sich Pausen damals für mich eher wie Zeitverschwendung angefühlt haben. Ich wollte besser werden, schneller, belastbarer. Und ich war fest davon überzeugt, dass mein Körper das schon mitmacht!

Gab es schon vor der Verletzung Anzeichen, dass etwas nicht stimmt?

Ja, einige. Ich hatte über mehrere Jahre keine Periode. Wenn ich ehrlich bin, habe ich  das damals nicht als großes Problem wahrgenommen. Ich wusste zwar, dass das nicht normal ist (deshalb habe ich auf den Rat einer Freundin eine Sprechstunde an der Charité gemacht), habe aber nie wirklich was dagegen unternommen. 

Dazu kam, dass ich mich irgendwann immer müder gefühlt habe und immer schlechter regeneriert war zwischen den Sessions. Tatsächlich habe ich mich ein bisschen an die schweren Beine gewöhnt, weil es fühlte sich irgendwann normal an, ständig „ein bisschen drüber“ zu sein. Genervt hat es mich aber schon und ich habe trotzdem weitertrainiert.

Rückblickend waren das alles Warnsignale dafür, dass mein Körper nicht ausreichend versorgt war und längst im Energiesparmodus lief. Ich hatte sogar schon die Diagnose RED-S bekommen, habe aber die notwendigen Maßnahmen um da raus zu kommen nie wirklich dauerhaft umgesetzt.

Das lag einerseits daran, dass ich unterbewusst doch an meinem sportlichen Idealbild hing, andererseits aber auch daran, dass ich es nie geschafft habe, mal dauerhaft mein Essen zu wiegen und mich den nötigen Kalorien zu commiten.

Alina kann ihre körperliche Leistung nicht mehr abrufen. Auf Instagram schrieb sie ca. einen Monat nach ihrem  Wettkampf in Nizza: Es fühlt sich gerade alles andere als leicht an. Ich trage meine Erwartungen wie zwei schwere Kettle Bells mit mir durchs Leben. Zu ehrgeizig, um sie einfach fallen zu lassen und wegzurennen. Aber zu schwach, um diese mit Power händeln zu können.“

Wann hast du gemerkt, dass dein Körper nicht mehr so mitmacht?

Der Punkt kam, als Schmerzen in der Hüfte auftauchten. Erst unspezifisch, dann immer deutlicher. Anfangs habe ich das weggeschoben, weil ich dachte: Das wird schon wieder, ich muss da einfach durch.

Die Diagnose hat ein bisschen länger gedauert, war dann aber ein Schock: ich hatte eine Stressfraktur im Oberschenkelhals und musste von da an auf Krücken laufen.

Das war ganz schön krass für mich, weil von einem Tag auf den anderen war der Leistungssport vorbei und ich musste mich erst mal daran gewöhnen, „nichts“ zu tun. 

Du befindest dich aktuell noch in der Recovery. Was hat sich bisher getan? [Stand 02/2026]

In der Recovery-Phase kam ich zum ersten Mal wirklich zur Ruhe und ich habe gemerkt, wie erschöpft mein Körper eigentlich war. Außerdem kam dann auch nach Jahren wieder meine Periode zurück. Das war für mich ein deutliches Zeichen dafür, wie lange mein Körper zuvor unter Stress gestanden hatte. Erst als genug Entlastung da war, konnte sich mein System langsam wieder regulieren.

Was würdest du heute anders machen und was wünschst du dir für andere Sportlerinnen?

Rückblickend sehe ich klarer, dass viele Dinge schon lange nicht optimal gelaufen sind. Das hohe Trainingspensum, wenig Regeneration, der ausbleibende Zyklus… all das waren Signale, die ich nicht ernst genommen habe.


Ich habe lange funktioniert, obwohl mein Körper mir gezeigt hat, dass die Balance nicht stimmt. Die Verletzung war letztlich der Punkt, an dem ich gezwungen war, hinzuschauen. Jetzt gehe ich ganz anders an die Sache ran. Ich trainiere nicht mehr nüchtern, achte auf meine Ernährung rund um das Training und priorisiere Regenerationsphasen viel mehr.

Heute kann ich meinem Körper viel besser zu hören, und das wünsche ich mir auch für andere Sportlerinnen!

Hi, ich bin Jenny!

Ich bin Dozentin, Expertin für Frauengesundheit [im Sport] und dein Podcast Host. Erfahre mehr über mich.

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